Auch die Quote von 40 Prozent an Sozialabgaben, die lange Zeit galt, ist bereits überschritten. Geht das jetzt immer so weiter?
Wenn wir nicht gegensteuern, geht das immer so weiter. Wir sind jetzt schon bei 42 Prozent in der Summe der Sozialversicherungsbeiträge. Das werden binnen weniger Jahre, bis 2030, 45 Prozent – zurückhaltend geschätzt. Und danach geht es immer weiter, also 50 bis 55 Prozent. Die Frage ist nicht ob, sondern wann.
Was hieße das für Versicherte, aber auch für die deutsche Wirtschaft?
Man denkt natürlich als Erstes daran, was es für die Versicherten bedeutet, die diese Beitragssätze entrichten müssen. Da bleibt weniger vom Netto. Das ist auch ein wichtiger Effekt; das könnte man durch Lohnverhandlungen konterkarieren. Am Ende sind es dann die Lohnkosten, die stark steigen, oder eben die Arbeitgeberanteile. Die Hauptgefahr ist eigentlich, dass wir unsere wirtschaftliche Dynamik – die von vielen Seiten unter Druck ist – auch von der Seite her gefährden, dass wir Arbeitsplatzverluste erleiden werden.
Gibt es eine Schmerzgrenze bei der Sozialabgabenquote, einen Punkt, der nicht überschritten werden dürfte?
Es ist tatsächlich so, dass die Schmerzgrenze im Grunde schon jenseits 40 Prozent beginnt. Wegen des demografischen Alterungsprozesses müssen wir aktuell an die Jungen und an die Alten denken und gucken, wie wir einen gerechten Ausgleich hinkriegen in jedem der Systeme. Das muss gemacht werden, weil sonst unsere wirtschaftliche Entwicklung sehr schlecht wird.