Meldung 13. Februar 2025

Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft – spricht über die Dualität des deutschen Gesundheitswesens, warum er eine Begrenzung der Sozialabgaben bei 40 Prozent für sinnvoll hält und welche wirtschaftlichen Folgen weiter steigende Sozialabgaben hätten.

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Herr Brossardt, in Deutschland haben wir ein duales Gesundheitssystem aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Ist das Modell aus Ihrer Sicht noch zukunftsfähig?

Es wird immer zukunftsfähiger, weil die Systeme sich gegenseitig, wenn es gut gemacht ist, ergänzen. Weil es dann auch für die Frage der Selbstverantwortung über die Privaten eine Basis geben kann. Weil im Wettbewerb auch ein Stück zusätzliche Effizienzgewinne liegen bzw. eine bessere Versorgung für alle liegt. Unser Gesundheitssystem wird gerade wieder mehr zukunftsfähig, als es vielleicht vor 20 Jahren gewesen ist.

Also von Ihrer Seite ein klares Bekenntnis zur Dualität?

Klar und deutlich. Die Dualität ist ein gutes Prinzip.

Die vbw hat kürzlich ein 100-Tage-Programm veröffentlicht. Ein zentraler Aspekt darin ist der Gesamtbeitragssatz zur Sozialversicherung. Lange Zeit gab es die politisch definierte Grenze von 40 Prozent. Nun nähern wir uns der Marke von 42 Prozent. Was folgt daraus?

Daraus folgt weniger Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen, weil die Arbeit dadurch verteuert wird. Aus der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit folgt, dass Unternehmen, zumindest Teile, in andere Teile Europas verlagert werden. Daraus folgt wiederum, dass bei uns das Wachstum geringer ausfällt. Soweit schadet es dem gesamten Land und insbesondere der gesamten Wirtschaft.

Die Dualität ist ein gutes Prinzip.

Bertram Brossardt , Hauptgeschäftsführer der vbw

Sie warnen vor einer weiteren Verschlechterung der finanziellen Lage der gesetzlichen Krankenkassen. Warum? Und was hieße das für die Wirtschaft?

Am Ende hieße es wieder, das System mit noch mehr Geld aufzublähen. Dieses Geld haben wir in Deutschland aber nicht mehr. Weder der Staat noch die Unternehmen sollten belastet werden.

Welche Folgen hätte eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung auf das Niveau der Rentenversicherung für den einzelnen Arbeitgeber?

Es hätte gerade dort, wo die Löhne höher sind - und Bayern ist einer der Teile der Bundesrepublik, wo wir höhere Löhne haben -, einen explosionsartigen Anstieg der Arbeitskosten, das heißt der Sozialversicherungsbeiträge zur Folge.

Welche gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen folgen daraus?

Es trifft uns tatsächlich alle, das muss klar sein. Für die gesamte Bundesrepublik bedeutet es einen weiteren Verlust von Wettbewerbsfähigkeit. Wenn wir in diese Größenordnungen hineingeraten, laufen wir Gefahr, eine regelrechte Abwanderungswelle in der gesamten Wirtschaft zu bekommen.

Interview-Serie „Starke Stimmen - starkes Gesundheitssystem"

Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft über Herausforderungen und Lösungen für das Gesundheitssystem

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