Meldung 26. Februar 2025

Nach vielbeachteten Vorschlägen zur stationären Pflege hat sich der interdisziplinäre Experten-Rat „Pflegefinanzen“ unter Prof. Wasem nun mit der Absicherung der häuslichen Pflege befasst. Fazit: Auch dabei helfen Zusatzversicherungen, eine Verpflichtung zum Abschluss ist aber nicht erforderlich.

Der Experten-Rat "Pflegefinanzen" (v.l.n.r.): Prof. Dr. Thiess Büttner, Prof. Dr. Christian Rolfs, Prof. Dr. Christine Arentz, Prof. Dr. Jürgen Wasem, Constantin Papaspyratos

Obwohl ein überwiegender Teil der Pflege ambulant erfolgt, sieht der Experten-Rat „Pflegefinanzen“ keine hinreichende Rechtfertigung für eine obligatorische Zusatzversicherung in diesem Bereich. Seine Empfehlung begründet das interdisziplinäre Gremium unter Leitung von Prof. Jürgen Wasem mit der im Vergleich zur stationärem Versorgung relativ überschaubaren finanziellen Belastung.

Anders als in der stationären Pflege beziehen nur wenige Menschen in der ambulanten Pflege Sozialhilfe – die sogenannte „Hilfe zur Pflege“.  Das liegt offenkundig daran, dass die meisten ambulant Pflegebedürftigen die notwendigen Kosten mit den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung sowie aus Einkommen bzw. Rente oder mit privatem Vermögen finanzieren können.

Es besteht für die ambulante Pflege – neben der Möglichkeit, Vermögen zu verwenden – ein breites Angebot an privaten Pflegezusatzversicherungen.

Constantin Papaspyratos , Chefökonom Bund der Versicherten (BdV)

Ambulante Pflege belastet die Familien anders

Zwar gebe es gute Gründe, sich auch gegen die Kosten von ambulanten Pflegeleistungen zusätzlich abzusichern, schreibt der Experten-Rat in seiner Stellungnahme. Die Notwendigkeit für eine verpflichtende Regelung sieht der Experten-Rat in diesem Bereich allerdings nicht. Denn die tatsächliche Belastung von Pflegehaushalten bei ambulanter Versorgung ergebe sich weniger aus den finanziellen Eigenanteilen.

Für die häusliche Pflege ist sehr gute Vorsorge möglich. Das zeigt die neue Studie des Experten-Rats “Pflegefinanzen”. Private Pflegezusatzversicherungen sichern eine ambulante Pflege nach individuellen Bedürfnissen. Das kann und sollte die Politik fördern, z.B. durch Steuerabzug der Beiträge.

Dr. Florian Reuther , Direktor des PKV-Verbandes

Viel problematischer sei es für die pflegenden Angehörigen, diese Verantwortung mit beruflichen und/oder anderen familiären Verpflichtungen zu vereinbaren. Außerdem sei die Pflegetätigkeit mental und körperlich oft sehr belastend. Bei der Bewältigung dieser Aufgaben spielt aus Sicht des Experten-Rats eine leistungsfähige Pflegeinfrastruktur eine wichtige Rolle. Sie könne dabei helfen, Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren und den Einsatz der knapper werdenden Pflegekräfte zu optimieren.

Lösung für den stationären Bereich bleibt geboten

Im April 2023 hatte der Experten-Rat seine Vorschläge für eine obligatorische, kapitalgedeckte finanzierte „Pflege+ Versicherung“ vorgestellt. Dieses Konzept für eine schnell umsetzbare Lösung, um die hohen stationären Eigenanteile bezahlbar abzusichern, empfehlen die Experten auch weiter. Hier sei nun die Politik am Zuge, betont Prof. Wasem: „Es liegt ein schnell umsetzbarer Vorschlag für eine verpflichtende, mit konkreten Beiträgen hinterlegte Zusatzvorsorge auf dem Tisch, die die Eigenanteile an den Pflegekosten sozial abfedert und generationengerecht finanziert.“

Abschlussbericht des Experten-Rats: Pflege+ Versicherung ambulant

Neue Konzepte zur fairen Pflegefinanzierung

Der Experten-Rat Pflegefinanzen hat eine eigene Webseite, auf der die bisher erschienenen Publikationen zum Download bereitstehen.

www.expertenratpflege.de